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Bedeutung der Hebammen-Arbeit

Alles bis zur Geburt

Bedeutung der Hebammen-Arbeit

Beitragvon Poet » 15.12.2009 - 17:03

Frisch aus dem Ticker:

SMS - Sächsisches Staatsministerium für Soziales
15.12.2009

Jugend/Familie | Gesundheit

Familienministerin Christine Clauß unterstreicht Bedeutung der Hebammen-Arbeit

„Hebammen geben jungen Eltern eine ganz wesentliche und vertrauensvolle Unterstützung“, sagte Familienministerin Christine Clauß heute in Dresden. Diese Unterstützung trage wesentlich zu einem gelungenen Start ins Familienleben bei.

Damit Hebammen Eltern dabei noch besser helfen können, fördert der Freistaat Sachsen Weiterbildungskurse zur Familienhebamme, die entsprechende Kompetenzen vermitteln. Hebammen sollen Eltern in Sachsen noch umfassender begleiten als bisher. „Die Geburt eines Kindes ist für alle Eltern eine Herausforderung. Ganz besonders beim ersten Kind“ begründete Clauß das Programm.

Die Familienhebammen sollen nicht die bestehenden professionellen Hilfesystem ersetzen, sondern im Bedarfsfall auf diese verweisen und eine Brücke bauen. Ende 2010 werden die ersten qualifizierten Familienhebammen in Sachsen zum Einsatz in den Kommunen zur Verfügung stehen. „Ich hoffe sehr, dass die Kommunen diese Chance nutzen und die Familienhebammen einsetzen, damit jede Familie, die Unterstützung braucht, diese auch bekommt“, so Clauß.

Das Arbeitsprogramm der Staatsregierung beinhaltet auch die Novellierung des Sächsischen Hebammengesetzes mit dem Ziel, Bürokratie abzubauen.

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Re: Bedeutung der Hebammen-Arbeit

Beitragvon Poet » 22.02.2010 - 13:30

Und hier etwas aus der Praxis:

Zwillinge im Klinikum Görlitz:
Ihre Mutter, Isabel Balert, brachte ihre beiden Kinder auf natürlichem Wege zur Welt. Nicht nur Zwillingspaare wie Philipp und Madlen, sondern auch Kinder in Beckenendlage können spontan entbunden werden. In Görlitz und Umgebung stellt dies eine regionale Besonderheit dar. Kaiserschnitte werden im Klinikum Görlitz nur durchgeführt, wenn sie unbedingt medizinisch notwendig sind; wenn zum Beispiel das Leben von Mutter und Kind in Gefahr ist. Chefarzt Dr. Torsten Nadler betont, dass "spontane natürliche Geburten gegenüber dem Modetrend Wunschkaiserschnitt im Klinikum Görlitz favorisiert werden".
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Re: Bedeutung der Hebammen-Arbeit

Beitragvon Rena » 25.06.2010 - 23:57

Mit den Familienhebammen ist das so eine Sache.
Eine Hebamme ohne Geburtshilfe ist ihres Kernauftrages beraubt.
Es gibt nichts Privateres als eine Geburt. Es ist primär ein soziales Geschehen und kein medizinisches.
Bekommt die Hebamme eine sozialarbeiterische Funktion, so ist dagegen nichts einzuwenden. Jedoch ohne die Geburtsbegleitung, die entscheidende Phase im Leben von Frau und Kind, kommt da etwas Absurdes hinein, etwas Fremdbestimmtes. Die Gefahr der technikdominanz und Medikamentenmanipulation ist im Krankenhaus einfach gegeben.
Familienhebamme: Ja unter Einschluss der Geburtshilfe.
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Re: Bedeutung der Hebammen-Arbeit

Beitragvon Kora » 26.06.2010 - 00:05

Sieht so denn die Praxis aus, Hebamme ohne Geburtshilfe? Das hätte ich gar nicht aus dem Artikel herausgelesen. Wär ja "typisch hinterfxxxig".
Grüsse, Kora
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Re: Bedeutung der Hebammen-Arbeit

Beitragvon Rena » 26.06.2010 - 07:30

Ja, so ist es. Der allergrößte Teil der Hebammen in D arbeitet in Krankenhäusern. Auf dem Papier leitet die Hebamme die Geburt und sie muss auch zu einer Geburt hinzugezogen werden. (Hinzuziehungspflicht). In der Praxis sieht es aber meist so aus, dass die Hebammen der ärztlichen Weisungsbefugnis untergeordnet sind. So sind sie faktisch ausgebildet und darum trauen sich auch viele nicht mehr, eine Geburt allein zu begleiten. Dazu braucht man natürlich auch Praxisanleitung und eine erfahrene Hebamme an seiner Seite, Fortbildungen usw.
Im Krankenhaus sind nach einer Untersuchung nur noch 7 % der Geburten ohne Interventionen von außen. So lernen die Hebammen, dass die meisten Geburten dem Anschein nach manipuliert werden "müssen".
Seit die Krankenhäuser zunehmend privatisiert werden, sind die dazu übergegangen, die Hebammen zu entlassen. Sie bekommen von den Krankenkassen eine Pauschale pro Geburt und entlassen die Frauen am 3./4. Tag, oft sogar nach Kaiserschnitt. Dann versorgen die Hebammen in der Nachsorge diese Frauen. Sie sind jetzt freiberuflich tätig und müssen sich selbst versichern usw.
Tendenz: Geburten im Krankenhaus für viel Geld durch Einsatz von Technik und Medikamenten und OP, das Drumherum von "Hebammen" vorher und hinterher für wenig Geld.
Bei der jetzigen Erhöhung der Haftpflicht geht es ausschließlich um diejenigen Hebammen, die geburtshilflich unabhängig tätig sind, ob außerklinisch oder innerklinisch als sog. Beleghebamme. Die Zielsetzung ist klar.
Das Familienhebammenmodell diskutiert die Frage der außerklinischen Geburt nicht. man geht davon aus, dass die Frau ins Krankenhaus geht. Die Hebamme, die "entkernt" ist, ist vielleicht dankbar, dass sie nun noch sozialpsychologische Kompetenzen hinzugewinnt. Die Bedeutung der Geburt für die Mutter-Kind-Bindung , für die psychische und körperliche Gesundheit von beiden wird dabei einfach übersehen.
Rena.
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Re: Bedeutung der Hebammen-Arbeit

Beitragvon Kora » 26.06.2010 - 22:33

Danke Rena, das war aufklärend.
Aber auch die "entkernten" Hebammen haben noch die Ausbildung zur selbständigen Geburtshilfe, so dass es bei dieser Policy eher an der Praxis mangelt?
LG, Kora
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Re: Bedeutung der Hebammen-Arbeit

Beitragvon Harry » 27.06.2010 - 10:47

Die Familienhebammen sollen nicht die bestehenden professionellen Hilfesystem ersetzen, sondern im Bedarfsfall auf diese verweisen und eine Brücke bauen.


Soll hier den (Familien)hebammen unterstellt werden sie wären nicht professionell ? ::roll:

Ende 2010 werden die ersten qualifizierten Familienhebammen in Sachsen zum Einsatz in den Kommunen zur Verfügung stehen.


Waren die Hebammen vorher nicht qualifiziert ? Die Familienhebamme die Masterhebamme..... und wer sich die Fortbildung zur Familienhebamme und die Haftpflichtversicherung nicht leisten kann ist draußen?

Kam es eigentlich zur einer Novellierung des Hebammengesetzes, Artikel ist ja schon ein halbes jahr alt.
Weiß jemand was?

LG! Harry
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Re: Bedeutung der Hebammen-Arbeit

Beitragvon Rena » 05.07.2010 - 00:55

Das Politikum besteht darin, dass die verschiedenen Hebammentätigkeiten, die genannt wurden, auch erforderlich sind. das kann aber nicht heißen, dass der Kernbereich noch stärker in medizinische Hände gelangt. Das wollen die Gebärenden nicht und die Kliniker wissen es auch. Die Hinzuziehungspflicht von Hebammen besagt, dass Hebammen bei der Geburt anwesend sein müssen.

Durch gezielte Lenkung von Schwangeren (Krankenk. bezahlten für 10 Arztbesuche DM 100,-) gerieten diese in ärztliche Praxen und weg von den Hebammen. Hebammen konnten wenig dagegen tun. Der Mutterpass, ein einziges Instrument zur Dokumentation von den meisten Schwangeren unverständlichen Messwerten, Normierungskurven usw. zementiert ein Bild von Risiko und Überwachungsnotwendigkeit. Wieder ein Schritt weg von natürlichen physiologischen Prozessen. Diese Schritte waren interessegeleitet und keineswegs von Frauen gewählte Formen der Vorsorge und Geburt.
Die klinische Geburtshilfe verdient mittlerweile erheblich an den Geburten. 1500,- € für die Geburt und 750,- € für das Baby. Kaiserschnitt ist erheblich teurer.
Eine Hausgeburt kostet die Kassen ganze 537,- €
Meine Überzeugung ist: Wir brauchen viel viel mehr Hebammen als jetzt, in der Vorsorge, in der Familienhilfe, bei Geburten und der Nachsorge. Dieser sensible Bereich braucht Vertrauen und menschliche Unterstützung und Nähe. Die technikgestützte Vorsorge und Geburtsmedizin ist eine kulturelle Sackgasse mit tragischen Folgen für Hunderttausende Kinder. Es kann nicht folgenlos bleiben, wenn Menschen am Beginn ihres Lebens gestresst, geschockt, betäubt und von der Mutter getrennt werden.
Garade, wer in diesem Forum etwas über Rezidive gelernt hat, ahnt, welche Auswirkungen die genannten Erlebnisse, denen die kleinen Kinder ausgeliefert waren, auf die Dauer haben können.
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