• Schrift verkleinern
  • Normalgröße
  • Schrift vergrößern

Palaver mit Brumms Lee

Geboren werden, ein paar Jahre leben und dann sterben - Palaver mit Brumms Leeist das tatsächlich unser Schicksal? Wozu ist das gut? Welchen Sinn hat das alles? Sind wir dieser Körper, den wir im Spiegel sehen? Oder ist da noch mehr? Kommen wir irgendwann und irgendwie wieder, oder ist nach diesem Leben ein für allemal Schluss? Und warum geschehen manchmal so seltsame Dinge um uns herum, die wir uns nur schwer erklären können? Wieso gehen indigene Völker oft davon aus, dass unser Leben nichts als ein Traum ist? Und wenn das so wäre - wer träumt diesen Traum? Warum ist es möglich, mit Hilfe von Energie andere Menschen und Tiere zu heilen? Und kann das wirklich jeder?

Momo Lenz geht gemeinsam mit ihrem Kater Brumms Lee diesen und weiteren Fragen nach. Dabei entpuppt sich Brumms Lee als ein wahrer Zenmeister, der die Weisheit, wenn schon nicht mit Löffeln, so doch offenbar aus Dosen gefressen hat. Hin und wieder zeigt er sich ein wenig arrogant, hier und da etwas schnöselig, im Großen und Ganzen aber durchaus verständnisvoll und als ein nachsichtiger Lehrer. Momo Lenz und Brumms Lee bieten mit ihrem Palaver ein spirituelles Lesevergnügen, das völlig ernst gemeint ist. Gerade darum darf gelacht werden.

Unter anderem ist es hier erhältlich:

Amazon

Bei Ebook, vormals Libri

Bei Thalia

Der Prolog als Leseprobe:

 

Prolog

 

„Was machst du?“, fragte Brumms Lee.  Er hatte kurz hochgesehen und aufgehört, sich den Bauch zu putzen.

   „Ich schreibe“, antwortete ich abwesend.  

 

 

   „Das sehe ich. Was schreibst du?“, schnöselte der schwarzweiße Kater mich an.

    „Ein Buch“,  gab ich zurück. Immer noch in Gedanken bei dem Absatz, an dem ich gerade bastelte.

   „Hoffentlich so eins mit Bändchen“, meinte Brumms Lee. „Die anderen sind langweilig.“

     „Ja sicher, damit du sie mir zerbeißen und zerfetzen kannst.“  Lesebändchen jagen und erlegen war eine seiner  Spezialitäten. Ich mochte Lesebändchen auch. Darum musste ich sie ständig vor ihm retten.  Solche Bücher in den Schub des Nachtschranks legen reichte dafür nicht. Schübe öffnen und ausräumen war nämlich ein weiteres seiner Talente.

   „Das haben sie sich verdient. Die meinen immer, sie seien etwas Besonderes“, antwortete der Kater, der sich inzwischen das rechte Hinterbein putzte.

   Ich seufzte.  Dann klappte ich demonstrativ  den Laptop zu. Wenn ich Bücher schrieb, tat ich das nie an meinem PC  im Büro. Dort klingelte das Telefon oder jemand an der Tür, mein Mann sprach ständig mit irgendwelchen Leuten, zwischendurch wollte er mir etwas erzählen oder er fragte mich etwas. Ich fand einfach keine Ruhe. Darum zog ich mich immer in meinen Turm zurück. Es ist natürlich kein richtiger Turm, einfach nur das Wohnzimmer eine Etage höher direkt unterm Dach.

   „Sehe ich das richtig, dass du dich mit mir unterhalten willst?“, fragte ich Brumms Lee. Er putzte sich intensiv weiter. Inzwischen war er bei den Krallen angekommen.  Hingebungsvoll knabberte er daran herum.

   „Kann es sein, dass ich jetzt nicht nur soweit bin, dass du dich mit mir unterhältst und ich dich auch noch tatsächlich höre und verstehe, sondern du jetzt einfach nicht mehr mit mir redest? Jetzt, da ich mich dir voll und ganz zugewendet habe?“

   „Was denkst du?“, fragte er und leckte sich den Ballen der rechten Hintertatze.

   „Dass ich wahrscheinlich langsam verrückt werde“, sagte ich und verdrehte die Augen. „Andere hören immerhin die Stimme von Jesus oder irgendwelchen aufgestiegenen Meistern, einige sogar gleich die von Gott. Ich höre die Stimme einer Katze. “

   „Du Glückliche“, meinte Brumms Lee.  

   „Ach ja?“, fragte ich.

   „Willst du damit andeuten, dass ich nicht der richtige Gesprächspartner für dich bin?“

   „Ich weiß nicht.  Bist du?“

   Brumms Lee hörte auf, sich zu putzen. Er setzte sich auf die Hinterbeine, schaute mich mit seinen grünen Augen an. Er musterte mich genau. Dann antwortete er: „Sicher. Ich genauso wie jeder andere Bro. Vorausgesetzt du würdest den anderen Bros zuhören.“

   „Bro? Was soll das heißen?“

Natürlich wusste ich, was Bro hieß. Die Abkürzung für Bruder wurde vor allem auf Hawaii gern für alles und jeden verwendet. Junge Leute nannten sich manchmal so. Bei Brumms Lee klang es auch irgendwie passend. Doch jetzt war ich zickig. Nicht nur, dass ich mit dem Buch nicht so recht weiter gekommen war. Jetzt musste ich mir auch noch kluge Sprüche von einem Kater anhören, der in Menschenjahren gerechnet gerade mal um die fünfundzwanzig Jahre alt war.

   Einer, den ich bereits kannte, als er noch blaue und nicht stechend grüne Augen gehabt hatte. So ein kleiner Wanst, der auf meiner Hand Platz gefunden hatte, als er noch im Schafstall bei seiner streunenden Mutter auf dem Dorf gelebt hatte. Einer, der damals wegen seines weißen Halses den Arbeitstitel Krägelchen trug.

   So einer, der mit Vorliebe in mein Hosenbein gekrochen war und später, wenn ich schrieb, in meinem Schoß gelegen und so tief geschlafen hatte, dass er beim Aufwachen manchmal nicht wusste wo er sich befand. Einer, der jämmerlich weinte, wenn ich ihn mal für ein paar Minuten allein lassen musste. Einer, der heute noch eher piepste als vernünftig miaute.

   „Du bist mir schon so ein Bro. Dein Name ist eigentlich ein Witz, weißt du das?“ Jetzt wurde ich gemein. Aber ich konnte nicht anders.

   „Kein Witz“, meinte Brumms Lee gelassen und schaute mich weiter intensiv an. „Ich würde es eher einen Geistesblitz nennen.“

   Jetzt war ich baff. Dieser Kater war unglaublich. Was für ein arrogantes kleines Mistvieh. Na gut, wirklich klein war er nicht. Eher ein recht großer Bursche.

   Man sah ihm an, dass sein Vater ein  Maine Coon gewesen sein musste, der von seinem Menschen Ausgang erhalten hatte. Brumms Lee hatte natürlich recht. Den Namen trug er nicht umsonst. Richtig brummen konnte er zwar nur, wenn er intensiv schmuste. Das war dann wirklich kein Schnurren mehr. Aber Brumms traf es dann doch noch etwas genauer als Bruce.

   Ansonsten war er dem Original recht ähnlich. Schnell, geschickt, klug, mutig, rabiat, kämpferisch. Seltsamerweise hatte er einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Wenn Johnny, unser Kuhkatz, wie wir manchmal wegen des weißen Fells und der schwarzen Flecken sagten, eine Katze aus unserem Rudel mobbte, musste er mit Brumms Lee rechnen. Der konnte ihn gnadenlos zurechtweisen.

   Nun war er also nicht nur ein Kampfkünstler, dessen Achillessehne Gewitter waren – wenn es donnerte und blitzte, hockte er mit Sicherheit zitternd in einem Kleiderschrank, den er sich selbst geöffnet hatte - er spielte auch noch den Weisen.

   „Warum verstehe ich dich plötzlich?“ Ich fand, meine Frage war berechtigt. Es konnte ja sein, dass ich allmählich durchdrehte.

   „Hast du mich vorher nicht verstanden?“, fragte er zurück und blinzelte.

   „Oh bitte, mach hier nicht den Wortklauber. Ich hatte gehofft, irgendwann würde eine Stimme zu mir sprechen und mir die Welt erklären. Es muss ja nicht gleich Gott sein. Jesus hätte es für den Anfang auch getan. Oder der Heilige Geist. Oder vielleicht Buddha. Jetzt rede ich mit einer Katze!“

   „Ich bin Jesus und Buddha, ich bin ein Sohn Gottes und ich bin eine Katze. Aber im Prinzip ist das völlig egal.  Wir sind beide dasselbe.“

   Bei diesen Worten sprang er plötzlich hoch, angelte nach einer Grasmücke, die vorwitzig über ihm in der Luft getanzt hatte, und fraß sie. Dann schaute er mich wieder an und fügte hinzu: „Wie übrigens auch dieses Grasmücke dasselbe ist wie wir. Oder vielmehr war.“

  Aufmerksam schaute ich ihn an. Ich versuchte herauszufinden, woher das alles plötzlich kam. War das noch mein Brumms Lee? Oder war er plötzlich von einem Geist besessen?

   „Geist ist ein gutes Stichwort. Wir sind derselbe Geist“, meinte er.
   „Oh nein, jetzt liest du auch noch meine Gedanken“, beschwerte ich mich.

   „Was soll daran so außergewöhnlich sein? Wenn wir doch derselbe Geist sind. Menschen machen einfach alles viel zu kompliziert. Ich bin froh, dass ich diesmal als Katze hier bin.“

   An dieser Stelle gab ich auf. „Das ist mir alles zu hoch“, gestand ich. „Und zu schwierig.“

   „Das ist nicht schwierig. Wenn du willst, erklär ich dir das alles.“

   Mit diesen Worten stand er auf, reckte sich, gähnte kurz, strich mir um die Beine und meinte: „Aber wie wär‘s vorher mit ein bisschen Rinderherz?“
   Ich gab ihm das Gewünschte. Von allen Seiten kamen sie nun angelaufen, die Katzen unseres  Rudels. Insgesamt waren es fünf. Brumms Lee fraß. Als er über den Balkon und die Katzentreppe in den Garten verschwand, sagte er kein Wort. Er kringelte seinen Schwanz zu einem Fragezeichen. „Bis dann“ hieß das. Ein wenig Katzensprache kann ich auch.

   An diesem Tag ließen wir das Thema ruhen.  Ich musste erst einmal darüber hinwegkommen, dass mein jüngster Kater sich plötzlich als so eine Art Zenmeister entpuppt hatte. Und vielleicht hatte ich es mir ja auch nur eingebildet.

   Hatte ich natürlich nicht. Am nächsten Morgen kam er zu mir ins Bett, um zu schmusen, trampelte mich schnurrend und brummend nieder, bis er genug hatte und meinte beim Wegspringen: „Man kann dir den Weg weisen, aber gehen musst du ihn selbst.“ Dann gähnte er herzhaft. „Das hat mal Bruce Lee gesagt. Ich finde das sehr passend.“

   Ich war verblüfft. Ich schaute ihn scharf an. Dann meinte ich. „Okay. Jeden Tag ab sofort. Ich will mich mit dir unterhalten. Ich habe das Gefühl, wir haben eine Menge zu bereden.“

   „Gut“, stimmte er zu. „Aber vorher hätte ich gern Frühstück.“ Mit hoch erhobenem Schwanz  stolzierte er  aus dem Zimmer.

   Und er hielt Wort. Jeden Tag unterhielten wir uns fortan. Es erinnerte mich an die Palaver, die Roland mit seinen Gefährten in Stephen Kings Romanen hielt, um Wichtiges zu besprechen, zu planen, sich kennenzulernen, zu unterhalten oder einfach nur den Sturm abzuwarten, der das Weiterwandern zum Dunklen Turm unmöglich machte.  Wir diskutierten, stritten, waren uns manchmal einig. Ich zeichnete alles auf, um nichts zu vergessen und es später  in eine lesbare Form zu bringen.  So entstand dieses Buch. Wenn es Sie interessiert, blättern Sie weiter. Ich kann Ihnen versichern – es lohnt sich. Unterschätzen Sie nie eine Katze!

Share Button

Newsletter

Login

Zahlung via Paypal

Verwendungszweck:

Suche